Theater asozial
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Kinder- und Jugendtheater als Ort der Kunstproduktion?

kritisches Theater junger Menschen

Kinder- und Jugendtheater als Ort der Kunstproduktion?

Wenn mit Kindern und Jugendlichen Theater gemacht wird, dann fallen die Reaktionen sehr unterschiedlich aus: Toll was Du da machst! Endlich eine vernünftige Freizeitbeschäftigung. Es ist ja so gut für die Kinder, wenn sie auf der Bühne stehen, das hebt sicher deren Selbstwertgefühl. usw, usw. Das ist zwar auch schön – interessiert aber die staatlichen Fördergeber überhaupt nicht.

Kaum jemand nimmt vom Kinder- und Jugendtheater als Ort der Kunstproduktion Notiz. Im Gegenteil: Wird im Programm angekündigt, dass Kinder und Jugendliche auf der Bühne stehen, dann wird reflexartig auf den pädagogischen Wert oder einfach nur auf den Nutzen des Spiels verwiesen und kaum jemand (außer den eigenen Eltern und einem treuen Stammpublikum) interessiert das Stück, weil es ja „nur“ Kinder und Jugendliche sind, die da spielen. Dass aber hier Kunst entsteht, dieser Gedanke ist den meisten Menschen fremd. Und dennoch: Kinder- und Jugendtheater sind auch Stätten der Kunstproduktion.

Kunst liegt nicht, wie das oft so beiläufig festgestellt wird, im Auge des Betrachters. Kunst beinhaltet eine gewisse Kunstfertigkeit (=Können) und den Mut, Neues zu schaffen, Grenzen zu überschreiten und ein Kunstwerk zu produzieren, das den gängigen Ansprüchen von Schönheit und Ästhetik überhaupt nicht entspricht. Kunst begegnet oft Unverständnis. Und genau dies ist oft auch im Kinder- und Jugendtheater der Fall. Und letztlich hat die Definitionsmacht darüber, ob Kunst vorliegt, oder nicht, immer der/die Kunstschaffende selbst.

Wenn ich auf die Produktionen des Theaters asozial im Verlauf der letzten Jahre zurückblicke, so erkenne ich ein spezifisches Können, das über die Zeit hinweg erlernt wurde und gewachsen ist. Ich sehe den Mut, Grenzen zu überschreiten und das Risiko, Neues auszuprobieren, mit Formen zu experimentieren und dabei in den Bereich der Kunst vorzustoßen. Das alles sieht man natürlich nicht, wenn man Kinder und Jugendliche auf der Bühne nicht ernst nimmt (was eben häufig der Fall ist) und in ihnen lediglich kleine Menschen sieht, die halt ein wenig herumspielen. Und genau dafür ist das Theater asozial auch da: Wir zeigen, dass Kinder und Jugendliche Menschen sind, die ernst zu nehmen sind, und die die Fähigkeit, die Entschlossenheit und den Mut aufbringen, sich künstlerischen Produktionen zu stellen. Dass wir mit dem Hubert von Goisern Kunst- und Kulturpreis 2019 ausgezeichnet wurden, ist uns Bestätigung.

 

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